Japanisch für Anfänger 1: Selbstvorstellung

Japanisch lernen wollen viele; gutes Japanisch können am Ende nur wenige. Zu gutem Japanisch gehören letztendlich nicht nur Vokabeln und Grammatik. Man muss sich auch mit der japanischen Kultur auseinandersetzen und lernen, wie man in Japan Kommunikation macht. Das ist schwierig und, wenn man nicht selbst nach Japan geht, oft nur unzureichend zu lernen.

Den wissbegierigen Japanischlernern empfehle ich für den Anfang immer einen guten Sprachkurs. Das kann an der örtlichen VHS sein, aber auch an der Universität oder anderen spezialisierten Sprachschulen. Nur dort kann, auch außerhalb Japans, japanische Kommunikation simuliert und eingeübt werden. Außerdem erhält man Korrekturen, Hilfe bei der Aussprache und sonstige Informationen, die man woanders nicht bekommen kann.

Trotzdem möchte ich hier einige Punkte aufgreifen, die für Japanischlerner interessant sein können. So kann man sich noch einmal genauer mit den Dingen beschäftigen, die man im Laufe der Sprachausbildung schon kennengelernt hat.

In diesem Beitrag möchte ich auf eine Kommunikationssituation eingehen, die man in Japan wohl am häufigsten bewältigen muss — die Selbstvorstellung. Wie stelle ich mich auf Japanisch vor und worauf sollte man achten? Darüber erzählen kann man viel, vorstellen möchte ich hier jedoch zunächst einmal bloß die simpelste Methode.

Um auf Japanisch seinen Namen zu sagen und sich seinem Gegenüber vorzustellen, braucht man letztendlich bloß ein japanisches Verb: です (desu). Dieses kleine Wort nennt man in der Fachsprache Kopula, aber soweit muss man hier gar nicht ins Detail gehen. Wir können es uns an dieser Stelle als ‚Ich bin…‘ vorstellen. Das Wort hat noch andere Aufgaben, aber das soll hier erstmal so reichen.

Im Japanischen steht ein Verb oder eine andere verbale Form immer am Satzende. Möchten wir also einen Satz mit です (desu) bilden, dann steht dieses immer am Satzende:

〇〇です。(〇〇 desu.)

Alle anderen wichtigen Informationen stehen in einem japanischen Satz in der Regel immer vor dem Verb. Wollen wir also unseren Namen nennen, stellen wir ihn im Satz einfach vor das Verb:

MARCELです。(Marcel desu.)

Japaner werden ausländische Namen auf ihre Art und Weise wahrnehmen und unter Umständen überprüfend nachfragen. Dazu muss man wissen, dass die japanische Sprache ziemlich regelmäßig aus der Lautfolge Konsonant + Vokal besteht. Man muss bei der Aussprache des eigenen Namens also unter Umständen Vokale hinzufügen, damit Japaner ihn besser verstehen und auch damit man ihn auf Japanisch schreibbar machen kann. Dafür erkundigt man sich am Besten bei einem Japanischlehrer. An dieser Stelle wollen wir es einfach mal so belassen.

Einfach nur den Namen zu nennen hat jedoch noch nicht viel mit guter Kommunikation zu tun. Wir sagen ja auch nicht einfach so ‚Ich heiße Soundso.‘, so ganz ohne Begrüßung und jegliche Floskel. Was muss also noch her, damit die eigene Selbstvorstellung rund wirkt?

Mal ganz abgesehen von der Nennung der Tageszeit, gibt es im Japanischen eine Floskel, die man dann benutzt, wenn man jemanden das erste Mal sieht:

はじめまして。 (Hajimemashite.)

Am ehesten entspricht diese Floskel wohl unserem ‚Freut mich Sie kennenzulernen.‘ Unsere Selbstvorstellung kommt einer natürlichen Gesprächssituation nun schon recht nahe:

はじめまして。 (Hajimemashite.)

MARCELです。 (Marcel desu.)

Auch am Ende der Selbstvorstellung sollten wir noch eine Floskel hinzufügen.

よろしく おねがい します。 (Yoroshiku onegai shimasu.)

Diese Floskel drückt aus, dass man sich und dem Gegenüber eine gute Zusammenarbeit wünscht. Oft ist sie auch mit dem Wunsch verbunden, dass der Gegenüber etwas für einen tut. So hört und liest man diese Phrase recht häufig; beispielsweise am Ende von Geschäftsbriefen, mehr oder weniger wichtigen E-Mails oder vor Beginn eines gemeinsamen Projekts. Naja, wichtig zu wissen ist an dieser Stelle, dass man mit dieser Floskel höflich wirkt, und zeigen kann, dass man die Grundlagen der japanischen Kommunikation verstanden hat.

Unsere Selbstvorstellung sieht nun also so aus:

はじめまして。 (Hajimemashite.)

MARCELです。 (Marcel desu.)

よろしく おねがい します。 (Yoroshiku onegai shimasu.)

Damit können wir uns jedem Japaner vorstellen und höchstwahrscheinlich werden wir auf die gleiche Weise den Namen unseres Gegenübers erfahren. Als Europäer sollte man die Reihenfolge Vorname Nachname am besten beibehalten. Viele Japaner haben nämlich eine Vorstellung davon, dass die Reihenfolge in Europa anders funktioniert. Und zur Not gibt man anschließend einfach eine Erklärung. Aber dazu mehr zu einer anderen Zeit.

Probieren Sie es bei der nächsten Gelegenheit doch einfach mal aus und Sie werden sehen, dass Sie Japanisch und japanische Kommunikation gleich ein bisschen besser verstehen werden.

Zum Abschluss noch einmal eine Zusammenfassung der verwendeten Vokabeln. Hier muss man beachten, dass die Umschrift in Klammern bloß eine Umschrift ist. Wie man das zu lesen hat, muss man lernen und üben und sich am besten von jemanden zeigen lassen.

・はじめまして。 (Hajimemashite.)

・〇〇です。 (〇〇 desu.)

・よろしく おねがい します。 (Yoroshiku onegai shimasu.)

Japanische Sprichwörter richtig verstehen 2

Sprichwörter geben oft einen Einblick in die Kultur und Geschichte des Landes in dem sie verwendet werden. Ist man offen für das Land, dessen Sprache man erlernen möchte, so wird man auch einen leichteren Zugang zu Sprichwörter finden und von ihnen eine Menge lernen können.

Heute möchte ich ein Sprichwort vorstellen, das man sich sicherlich zu Herzen nehmen sollte.

急がば回れ(いそがば まわれ)

Wortwörtlich lässt sich dieses Sprichwort als ‚Wenn du es eilig hast, nimm einen Umweg‘ übersetzen. Auf Deutsch sagt man hier wohl ‚Eile mit Weile‘. Dieses Sprichwort besagt, dass der lange, aber dafür sichere Weg in der Regel schneller ans Ziel führt, als der kurze, aber dafür möglicherweise gefährlichere und risikoreichere Weg.

Das Sprichwort stammt anscheinend aus dem Ende der Muromachi-Zeit (etwa 1336 bis 1573) und bezieht sich auf Japans größten See, den 琵琶湖(びわこ),  den man früher einerseits mit dem Schiff überqueren, andererseits aber auch eine Brücke am südlichen Ende des Sees nutzen konnte. Auch wenn der Seeweg als schneller galt, so war er um einiges gefährlicher und so riet man Reisenden doch lieber den Umweg über die Brücke zu nehmen. Das dauerte in der Regel zwar länger, galt aber als sehr viel sicherer.

Den See in der Erzählung habe ich selber noch nicht gesehen, aber ich denke an dem Sprichwort ist etwas dran. So denke ich, dass es für das eigene Leben wichtig ist immer den Weg zu gehen, der sicher ans Ziel führt. So dauert es am Ende sicherlich länger, aber letztendlich wird man sein Ziel erreichen.

Japanische Sprichwörter richtig verstehen 1

Wer wirklich tief in eine Sprache eindringen möchte, wird früher oder später an Sprichwörtern und geflügelten Worten nicht vorbei kommen. Durch ein Sprichwort oder eine Phrase lässt sich ein bestimmter Sachverhalt oft kurz und knapp zusammenfassen. Darüber hinaus sind gut eingesetzte Sprichwörter ein Zeichen für eine gewisse Sprachgewandtheit des Sprechers.

Auch wenn sie sich zunächst einmal bloss schwierig anwenden lassen, so schadet es sicherlich nicht, wenn man sich das ein oder andere Sprichwort einmal genauer anschaut. Aus diesem Grund möchte ich in diesem Blog ein sehr bekanntes japanisches Sprichwort vorstellen. Vielleicht haben Sie es schon einmal gehört.

千里の道は一歩から(せんりの みちは いっぽから)

Wortwörtlich lässt sich dieses Sprichwort als ‚Ein Weg von 1000 Ri (beginnt) mit dem ersten Schritt‘ übersetzen und auf Deutsch wohl am Besten als ‚Schritt vor Schritt kommt auch zum Ziel‘ widergeben. Es soll zum Ausdruck bringen, dass man jedes Problem irgendwie bewältigen kann, wenn man klein anfängt und sich langsam, aber sicher zum Ziel vorarbeitet. So kann auch jede noch so grosse Aufgabe mit Bravour bewältigt werden.

Übrigens: 里(り) ist eine alte Längeneinheit. Sie entspricht in etwa 3,92727km. Ein Weg von 1000 Ri, so wie er im Sprichwort erwähnt wird, wäre also fast 4000km lang. Doch auch ein solch langer Weg beginnt, laut Sprichwort, immer mit dem ersten Schritt.

Haben Sie eine grosse Aufgabe vor sich, aber erwischen sich immer dabei, wie Sie sie vor sich herschieben? Stellen Sie sich ihr und beginnen Sie mit kleinen Schritten. So kommen Sie letztendlich bestimmt ans Ziel.

Von Silben und Moren (Lösungen)

Und, haben Sie ein wenig Zeit gehabt sich die Übungsaufgaben aus dem vergangenen Blogeintrag einmal genauer anzusehen?
Gerne möchte ich Ihnen in diesem Eintrag die Lösungen zeigen.

1. 1分(いっぷん)
4 Moren(い・っ・ぷ・ん)
2 Silben(いっ・ぷん)

2. 商業(しょうぎょう)
4 Moren(しょ・う・ぎょ・う)
2 Silben(しょう・ぎょう)

3. 携帯(けいたい)
4 Moren(け・い・た・い)
3 Silben(けい・た・い)

4. 英語(えいご)
3 Moren(え・い・ご)
2 Silben(えい・ご)

5. 英文法(えいぶんぽう)
6 Moren(え・い・ぶ・ん・ぽ・う)
3 Silben(えい・ぶん・ぽう)

6. 国境(こっきょう)
4 Moren(こ・っ・きょ・う)
2 Silben(こっ・きょう)

7. 横断歩道(おうだんほどう)
7 Moren(お・う・だ・ん・ほ・ど・う)
4 Silben(おう・だん・ほ・どう)

8. 人口推移(じんこうすいい)
7 Moren(じ・ん・こ・う・す・い・い)
5 Silben(じん・こう・す・い・い)

9. 決算セール(けっさんせーる)
7 Moren(け・っ・さ・ん・せ・ー・る)
4 Silben(けっ・さん・セー・る)

10. インストール
6 Moren(い・ん・す・と・ー・る)
4 Silben(いん・す・とー・る)

Wie Sie sehen können, unterscheidet sich die Anzahl der Moren oft stark von der Anzahl der Silben. Achten Sie beim Sprechen weiterhin auf die Anzahl der Moren und versuchen Sie ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Japaner ihre und auch andere Sprachen wahrnehmen.

Von Silben und Moren (Übungsaufgaben)

Erinnern Sie sich noch daran, wie man Ihnen in der Grundschule beigebracht hat, was Silben sind? Sicherlich haben Sie auch die ein oder anderen Wörter langsam aufgesagt und dabei bei jeder neuen Silbe in die Hände geklatscht. Probieren Sie es doch noch einmal aus:

JA — PA — NISCH

VER — STE — HEN

Sicherlich machen das Japaner so oder so ähnlich in der Schule auch, um etwas über Moren zu lernen. Das Wissen über den Aufbau der Moren nimmt nämlich nicht nur Einfluss auf die Aussprache, sondern ist auch wichtig für das Erstellen von Haiku oder anderen japanischen Gedichtsformen. Die berühmten 5 — 7 — 5, die dazu benutzt werden, um die Länge der einzelnen Zeilen eines Haikus zu erklären, beziehen sich nämlich nicht auf die Anzahl der Silben, sondern auf die Anzahl der Moren in einer Zeile. Ein richtiges Haiku kann man also nur auf Japanisch schreiben.

Vielleicht möchten Sie sich ja mal an einem modernen japanischen Haiku versuchen. Üben Sie dazu zunächst einmal das Zählen von Silben und Moren. Wie viele Silben und Moren haben folgende Wörter? Schauen Sie unter Umständen noch einmal den vergangenen Blogeintrag an.

1. 1分

2. 商業

3. 携帯

4. 英語

5. 英文法

6. 国境

7. 横断歩道

8. 人口推移

9. 決算セール

10. インストール

Die Lösung verrate ich im kommenden Beitrag.
Viel Spass und gutes Gelingen!

Von Silben und Moren

Etwas, das beim Erwerb von Japanisch als Fremdsprache häufig bloss stiefmütterlich behandelt wird, ist die Aussprache. Zwar stimmt es, dass Aussprache nicht alles ist und man oft auch dann verstanden wird, wenn sich beim Sprechen starke Einflüsse der eigenen Muttersprache zeigen, doch öffnet einem eine gute Aussprache schonmal so manche Möglichkeit, die einem sonst verschlossen geblieben wäre. So zeigen sich japanische Muttersprachler beispielsweise gleich viel redegewandter und man wird nicht selten auch ein bisschen ernster genommen.

Oft gar nicht erst im Sprachunterricht angesprochen werden die sogenannten Moren (auf Japanisch: 「拍(はく)」 oder 「モーラ」), obgleich sie für eine gute japanische Aussprache unerlässlich sind. Doch was sind Moren überhaupt? Eine More ist, im Gegensatz zu einer Silbe, eine immer gleich lange Takteinheit. Man sagt, Japanisch sei die einzige moderne Sprache, die mit Moren funktioniert.

Eine More im Japanisch kann folgendes sein:

直音(ちょくおん)
Alle Laute, die sich mit einer einzigen Kana darstellen lassen (z.B. 「ア」 oder 「カ」).

拗音(ようおん)
Alle Laute, denen ein kleines ゃ・ゅ・ょ beigefügt wird (z.B. 「キャ」、「シュ」、「ニョ」).

In beiden Fällen werden alle 清音(せいおん)濁音(だくおん) und 半濁音(はんだくおん) umfasst.
Als 濁音 werden alle Kana bezeichnet, die mit 「゛」 geschrieben werden (z.B. 「ガ」、「ジ」、「ヅ」、「ベ」) und als 半濁音 werden alle Kana bezeichnet, die mit 「゜」 geschrieben werden (z.B. 「パ」、「ポ」). 清音 sind alle Kana, die weder mit 「゛」, noch mit 「゜」 geschrieben werden.

All diese Moren können alleine stehen, jedoch gibt es auch welche, die normalerweise nicht alleine stehen können:

促音(そくおん)
Dies umfasst das kleine 「っ」, welches für eine kurze Sprechpause steht, bei der der folgende Konsonant vorbereitet wird. Diese Sprechpause ist genau eine More lang.

撥音(はつおん)
Als 撥音 wird die Kana 「ん」 bezeichnet. Diese kann je nach Lautumgebung verschiedene Aussprachen aufweisen, die immer genau eine More lang sind. Normalerweise kann 「ん」 nicht alleine oder am Wortanfang auftauchen. Aber natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, denen man immer mal wieder begegnen kann.

引く音(ひくおん)・長音(ちょうおん)
Hierbei handelt es sich um die Kana, die eine Vokallängung darstellen. In der Hiragana-Schreibweise wären das beispielsweise das 「い」 in 「例(れい)」 oder das 「う」 in 「塔(とう)」. In der Katakana-Schreibweise wird eine  Vokallängung in der Regel durch 「ー」 dargestellt. Der betroffene Vokal wird durch diese Zeichen um genau eine More verlängert.

Japanisch wäre eine Silbensprache, wenn es die letzten drei Fälle so nicht geben würde. Diese Fälle würden dann immer mit zu der vorherigen Silbe gehören, sind im Japanischen aber eine neue More, wie folgende Beispiele zeigen:

握手(アクシュ):
3 Moren(ア・ク・シュ)
3 Silben(ア・ク・シュ)

進歩(シンポ):
3 Moren(シ・ン・ポ)
2 Silben(シン・ポ)

尻尾(シッポ):
3 Moren(シ・ッ・ポ)
2 Silben(シッ・ポ)

シーツ:
3 Moren(シ・ー・ツ)
2 Silben(シー・ツ)

理解(リカイ):
3 Moren(リ・カ・イ)
2 Silben(リ・カイ)

Da insbesondere das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein der 促音 und 引く音 einen Bedeutungsunterschied hervorrufen können, sollte man sich bemühen, diese auch tatsächlich als zusätzliche More zu realisieren, um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen. Nicht nur werden diese dadurch abgebaut. Man kann sich gleichzeitig auch eine viel schönere Aussprache aneignen.

Probieren Sie es doch einfach mal aus. Hören Sie gut zu, wenn Japaner reden, ahmen Sie nach und lassen Sie sich eine schöne Aussprache auch mal genauer erklären und Sie werden sehen, dass Sie Japanisch ein wenig besser verstehen werden.